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25.04.2017
Unbekannte Kunstschätze im Bundestag - 4. Teil
Das Paul-Löbe-Haus
Jeder kennt das Plenum im Reichstag als ein wichtiges Instrument parlamentarischer Arbeit, doch wo wird der Rest dieser Aufgaben erledigt und wie sieht es dort aus? Herausfinden lässt sich das in meinem neuen Bericht über Kunst in den Parlamentsgebäuden, in dem ich diesmal über das Paul-Löbe-Haus berichte.
"Motor der Republik"
 In dem nach dem ehemaligen Reichstagspräsidenten Paul Löbe benannten Gebäude vollzieht sich ein Großteil der parlamentarischen Arbeit. Das Haus wird oft als „Motor der Republik“ bezeichnet. Der Grund sind acht Zylinderförmige Räume an den Seiten des Gebäudes, die wie ein kraftvoller V8-Motor aussehen (Abb. 1). In den nach außen hin verglasten Zylindern treffen sich die meisten Ausschüsse des Bundestages, um ihre Beschlüsse vorzubereiten. Angepasst an den Zweck zeichnet sich der Bau durch eine klare Struktur aus. Damit die Politiker nicht nur ihre Arbeit vor Augen haben, verläuft entlang der Längsstreckung der Halle des Paul-Löbe-Hauses am Boden eine Installation des amerikanischen Künstlers Joseph Kosuth (Abb. 2): Wie kostbare Intarsien sind Metalllettern in den Boden eingelassen. Die Zitate stammen aus den Werken „Der Zauberberg“ von Thomas Mann und den „Erinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren“ von Ricarda Huch. Durch die Sätze soll der Betrachter zur Reflexion über das Leben angeregt werden. Während sich dieses Kunstwerk von seiner Farbgebung her an die kühle Atmosphäre des Gebäudes anpasst, werden an der Ostfassade des Hauses durch zwei weithin grün leuchtende Neonskulpturen farbliche Akzente gesetzt (Abb. 3). Auf der Außenmauer und im Inneren sind dort zwei Männer zu sehen, die auf einer Leiter stehen. Sie scheinen freundlich zu winken oder nach einer nicht sichtbaren Baumfrucht zu greifen. Die symbolhaften Gebärden lassen sich als Anspielung auf die Gesten eines Redners, die Kultur des politischen Handelns oder eines Menschen, der nach hohen Zielen strebt, deuten. Sie bilden einen wohltuenden Kontrast zum kühlen Sichtbeton aus dem das Gebäude besteht. Einen weiteren Kontrast bildet das Kunstwerk des kubanischen Künstlers Jorge Pardo (Abb. 4). Die aus Deckenlampen bestehende Installation befindet sich im Abgeordnetenrestaurant und ist besonders nachts weithin sichtbar. Von den Berlinern wird das Kunstwerk deswegen auch „Lampenladen“ genannt. Durch diesen Spitznamen wird allerdings noch ein weiterer gestalterischer Aspekt des Gebäudes offengelegt: Die Transparenz des politischen Prozesses für jeden Passanten.


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